Geely bringt 2,25-Megawatt-Laden für Elektroautos
Der Wettlauf um immer kürzere Ladezeiten geht in China in die nächste Runde. Geely hat mit Geely Smart Charging eine neue Schnellladetechnologie vorgestellt, die eine Spitzenleistung von bis zu 2.250 kW erreicht. Damit setzt der chinesische Hersteller die Messlatte deutlich über die derzeit von BYD angekündigten 1.500 kW. Im Mittelpunkt steht allerdings nicht allein die enorme Ladeleistung. Geely kombiniert die neue Hardware mit künstlicher Intelligenz, einem ausgefeilten Thermomanagement und neuen Batterietechnologien. Ziel ist es, hohe Ladegeschwindigkeiten zu ermöglichen, ohne die Belastung der Batterie unverhältnismäßig zu erhöhen.
Mehr als zwei Megawatt Ladeleistung
Das Herzstück des neuen Systems ist die fünfte Generation der Geely Smart Charging Station. Ein einzelner Ladeanschluss kann laut Hersteller eine maximale Leistung von 2,25 Megawatt bereitstellen. Zum Vergleich: BYD setzt bei seinem aktuellen FLASH-Charging-System auf bis zu 1.500 kW. Damit übertrifft Geely diesen Wert auf dem Papier um rund 50 Prozent. Die tatsächliche Ladegeschwindigkeit hängt allerdings nicht nur von der Ladesäule ab. Entscheidend sind ebenso Batterie, Fahrzeugarchitektur, Ladezustand und Temperatur. Genau an diesem Punkt setzt Geelys neues System an.
Künstliche Intelligenz soll die Batterie überwachen
Geely integriert dafür das Energie-KI-Modell Xingrui PowerMind, das gemeinsam mit StepFun entwickelt wurde. Das System soll Fahrzeug, Batterie, Ladesäule, Stromnetz und Energiespeicher miteinander koordinieren.
Eine zentrale Funktion ist die vorausschauende Temperaturkontrolle. Nach Angaben von Geely kann das System die Entwicklung der Batterietemperatur bis zu 30 Sekunden im Voraus prognostizieren und die Ladeleistung entsprechend anpassen. Während des Ladevorgangs soll die durchschnittliche Batterietemperatur unter 55 Grad Celsius bleiben, während die Spitzenwerte auf unter 65 Grad begrenzt werden. Damit will Geely einen typischen Zielkonflikt beim Schnellladen entschärfen: Je höher die Ladeleistung, desto größer sind normalerweise auch die thermischen Belastungen.
10 auf 70 Prozent in viereinhalb Minuten
Wie schnell das System in der Praxis arbeitet, demonstrierte Geely mit Fahrzeugen der Marken Lynk & Co und Zeekr.
Bei den Tests erreichten der Lynk & Co 10 und der Zeekr 001 eine Ladung von 10 auf 70 Prozent in rund 4 Minuten und 30 Sekunden. Von 10 auf 97 Prozent dauerte der Vorgang laut Hersteller etwa 8 Minuten und 40 Sekunden. Die Werte zeigen gleichzeitig, warum die maximale Leistung einer Ladesäule allein wenig über die tatsächliche Ladezeit aussagt. Obwohl die Säule theoretisch 2,25 MW liefern kann, wird die Leistung während des Ladevorgangs abhängig vom Zustand der Batterie dynamisch angepasst.
Bereits im Frühjahr hatte Geely mit dem Lynk & Co 10 Ladezeiten im Bereich von weniger als neun Minuten von 10 auf 97 Prozent demonstriert. Damals wurde eine Spitzenleistung von rund 1.100 kW erreicht.
Neue Batterie soll hohe Ladeleistungen ermöglichen
Parallel zur Ladeinfrastruktur arbeitet Geely an Batterien, die für besonders hohe Ladeleistungen ausgelegt sind. Die neue Generation der Ultra-Short-Blade-Batterie soll unter anderem eine geringere Wärmeentwicklung ermöglichen. Bei der leistungsfähigeren Variante nennt Geely eine maximale Laderate von 12C. Eine weitere Batterieversion für günstigere Fahrzeuge kommt auf bis zu 6C. Eine 12C-Laderate bedeutet vereinfacht gesagt, dass die Batterie theoretisch mit einer Leistung geladen werden kann, die dem Zwölffachen ihrer Kapazität entspricht. In der Praxis bestimmen jedoch zahlreiche weitere Faktoren, wie viel Leistung tatsächlich aufgenommen wird.
Geely will auch die Lebensdauer im Blick behalten
Besonders interessant ist deshalb Geelys Ansatz beim Thema Batteriedegradation. Der Hersteller setzt zusätzlich auf eine sogenannte Lithium-Ionen-Pulsregeneration.
Dabei sollen kurze Stromimpulse Lithium-Ionen reaktivieren, die sich bei häufigem Schnellladen an der negativen Elektrode ansammeln können. Geely spricht in diesem Zusammenhang von einer möglichen Steigerung der Batterielebensdauer um bis zu 20 Prozent. Auch beim normalen Laden zu Hause soll eine spezielle Strategie eingesetzt werden, die dazu beitragen soll, Belastungen aus vorherigen Schnellladevorgängen auszugleichen.
Der eigentliche Wettbewerb findet bei der Infrastruktur statt
Mit der neuen Technologie versucht Geely nicht nur, einen technischen Rekord aufzustellen. Der Hersteller muss gleichzeitig dafür sorgen, dass entsprechende Ladepunkte auch in ausreichender Zahl verfügbar sind. Geely kündigt an, bis Ende 2027 landesweit mehr als 100.000 Ladeanschlüsse bereitzustellen. Davon sollen über 50.000 Anschlüsse zur neuen Smart-Charging-Technologie gehören. Das Ziel ist eine Abdeckung bis in chinesische Landkreise hinein. Damit reagiert Geely auch auf die aggressive Expansion von BYD. Der Konkurrent hat für 2026 den Aufbau von insgesamt 20.000 FLASH-Charging-Stationen in China angekündigt.
Vier Minuten Ladezeit verändern die Erwartungen
Der chinesische Markt entwickelt sich damit zunehmend in Richtung Ladezeiten, die bisher eher mit dem klassischen Tankvorgang verbunden wurden. Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht mehr ausschließlich, wer die höchste Kilowattzahl erreicht. Viel wichtiger wird sein, wie viele Fahrzeuge die Technologie tatsächlich unterstützen, wie dicht das entsprechende Ladenetz ausgebaut wird und wie sich die hohen Ladeleistungen langfristig auf Batterien und Betriebskosten auswirken. Geely versucht deshalb, mehrere Komponenten zu einem Gesamtsystem zu verbinden: extrem leistungsfähige Ladehardware, temperaturgesteuertes Laden, künstliche Intelligenz, neue Batteriezellen und Maßnahmen zur Verbesserung der Batterielebensdauer. Der Wettbewerb mit BYD wird damit nicht nur zu einem Rennen um die höchste Ladeleistung. Er entwickelt sich zu einem Wettstreit um das gesamte Ökosystem rund um das Schnellladen.
Bilder: Geely
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