CATL TECTRANS II: 1.000 Kilometer Reichweite und Megawatt-Laden für Elektro-Lkw
Chinesischer Batteriehersteller stellt auf der IAA Transportation 2026 eine modulare Plattform für schwere Nutzfahrzeuge vor. Die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs soll einen weiteren Technologiesprung machen. Auf der IAA Transportation 2026 in Hannover hat der chinesische Batteriehersteller CATL seine neue Nutzfahrzeug-Batterieplattform TECTRANS II vorgestellt. Die modulare Lösung soll schwere und mittelschwere Lkw ebenso wie Busse elektrifizieren und dabei Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden.
Im Mittelpunkt steht eine für den Fernverkehr relevante Kombination: In ihrer größten Ausbaustufe soll TECTRANS II laut CATL eine Reichweite von bis zu 1.000 Kilometern ermöglichen. Gleichzeitig soll sich die Batterie mit Megawatt-Ladeleistung in 25 Minuten auf 80 Prozent aufladen lassen. Ein konkreter Testzyklus für die angegebene Reichweite wurde bislang allerdings nicht genannt. Die tatsächliche Reichweite wird daher von Fahrzeug, Beladung, Topografie, Wetter und Fahrweise abhängen.
Ein Baukastensystem für unterschiedliche Lkw
Anders als eine speziell für ein einzelnes Fahrzeug entwickelte Batterie ist TECTRANS II als modularer Baukasten konzipiert. Je nach Einsatzgebiet können unterschiedliche Mengen standardisierter Batteriepakete kombiniert werden. Damit will CATL verschiedene Anforderungen an Energiekapazität, Nutzlast und Reichweite abdecken.
Die Plattform lässt sich nach Herstellerangaben sowohl mit E-Achsen als auch mit konventionellen Zentralantrieben kombinieren. Zudem ist sie grundsätzlich auf unterschiedliche Energiekonzepte ausgelegt: Neben dem klassischen Laden soll auch ein Batterietausch möglich sein. Eine weitere Besonderheit liegt in der Standardisierung. CATL vereinheitlicht nach eigenen Angaben die äußeren Abmessungen, elektrischen Schnittstellen und Kommunikationsprotokolle der Batterien. Künftige Generationen der Zell- und Packtechnik sollen dadurch in bestehende Fahrzeugplattformen integriert werden können, ohne dass diese grundlegend neu entwickelt werden müssen.
Für Fahrzeughersteller könnte das erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklungszeiten haben. CATL beziffert die mögliche Verkürzung der Entwicklungszyklen auf 50 Prozent und die Einsparung bei den Forschungs- und Entwicklungskosten auf 60 bis 70 Prozent. Diese Werte sind Herstellerangaben und beziehen sich auf den von CATL beschriebenen modularen Entwicklungsansatz. (CATL)
Mehr Nutzlast durch höhere Energiedichte
Neben der Reichweite rückt CATL die Nutzlast in den Mittelpunkt. TECTRANS II erreicht nach Unternehmensangaben eine gravimetrische Energiedichte von 170 Wh/kg. Das liege rund 13 Prozent über dem von CATL angesetzten Branchendurchschnitt.
Bei gleicher Batteriekapazität könnten Fahrzeuge dadurch laut Hersteller rund 600 Kilogramm zusätzliche Nutzlast transportieren. Gerade im Güterverkehr ist dieser Faktor entscheidend: Mehr Batterie bedeutet bei Elektro-Lkw nicht nur mehr Reichweite, sondern zunächst auch mehr Gewicht. Jede Verbesserung der Energiedichte kann deshalb unmittelbar wirtschaftliche Bedeutung haben.
Auch beim Energieverbrauch will CATL Fortschritte erzielt haben. Die Plattform soll einen System-Round-Trip-Wirkungsgrad von 96 Prozent erreichen. Möglich machen soll dies unter anderem eine sogenannte Full-Tab-Zellarchitektur mit niedrigerem Innenwiderstand. Weniger Energieverluste beim Laden und Entladen könnten die Betriebskosten elektrischer Flotten weiter reduzieren.
Batterie für Millionen Kilometer
Für den Einsatz im schweren Fernverkehr muss eine Batterie nicht nur leistungsfähig, sondern vor allem langlebig sein. CATL gibt für die Schwerlastvariante eine Auslegung auf 12 Jahre beziehungsweise 1,5 Millionen Kilometer an. Selbst nach dieser Laufleistung soll die Batterie noch 70 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität besitzen.
Auch die mechanische Robustheit ist auf den harten Nutzfahrzeugbetrieb ausgelegt. CATL nennt unter anderem eine verstärkte Unterbodenstruktur mit einer Stoßfestigkeit von bis zu 1.000 Joule sowie ein Aluminiumgehäuse mit einer seitlichen Druckfestigkeit von bis zu 250 Kilonewton. Hinzu kommen Maßnahmen gegen Korrosion und eine redundante Batteriesteuerung. Das Batteriemanagementsystem soll einzelne fehlerhafte Zweige isolieren können, während andere Bereiche weiterhin Energie liefern. CATL spricht außerdem von einer speziellen Diagnosefunktion zur Lokalisierung von Isolationsfehlern.
Megawatt-Laden wird zum Schlüssel
Die angekündigten 25 Minuten für eine Ladung auf 80 Prozent sind insbesondere für den Fernverkehr relevant. Bei einem klassischen batterieelektrischen Pkw kann eine längere Ladepause noch vergleichsweise leicht in den Tagesablauf integriert werden. Bei einem schweren Lkw entscheidet dagegen jede zusätzliche Standzeit über die Auslastung des Fahrzeugs.
Megawatt-Laden soll dieses Problem entschärfen. Ein elektrischer Fernverkehrs-Lkw könnte damit während einer ohnehin notwendigen Pause einen erheblichen Teil seiner Batterie nachladen. Voraussetzung ist allerdings eine entsprechend leistungsfähige Ladeinfrastruktur. Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen für die Branche. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verweist zur IAA Transportation 2026 auf den weiterhin unzureichenden Ausbau von Ladeinfrastruktur und Energienetzen. Für Europa werden bis 2030 nach Angaben des Verbandes rund 4.000 Megawatt-Ladepunkte benötigt. Die Batterie allein kann das Problem des elektrischen Fernverkehrs somit nicht lösen. Reichweite und Ladegeschwindigkeit müssen mit einem ausreichend dichten Netz leistungsfähiger Ladestationen zusammenspielen.
CATL und DHL planen elektrische Güterverkehrskorridore
CATL verbindet die Vorstellung von TECTRANS II deshalb mit einem größeren Vorhaben für Europa. Auf der IAA unterzeichnete das Unternehmen eine Absichtserklärung mit der DHL Group zum Aufbau sogenannter „Green Freight Corridors“.
Dabei sollen das Logistiknetz und die Betriebserfahrungen von DHL mit der Batterietechnik und dem Elektrifizierungs-Know-how von CATL zusammengeführt werden. Gemeinsam mit Fahrzeugherstellern und weiteren Partnern sollen speziell auf die Anforderungen des Güterverkehrs zugeschnittene Elektrofahrzeuge entwickelt und Pilotprojekte gestartet werden. Damit verschiebt sich der Fokus von der einzelnen Batterie hin zum gesamten Transportsystem. Für Speditionen zählt letztlich nicht allein, wie viele Kilowattstunden ein Akku speichern kann. Entscheidend sind die Gesamtkosten, die verfügbare Nutzlast, die Ladezeiten, die Zuverlässigkeit und die Frage, ob entlang der tatsächlich gefahrenen Routen geeignete Infrastruktur vorhanden ist.
Ein strategischer Schritt in den europäischen Markt
Mit TECTRANS II will CATL seine Position im elektrischen Nutzfahrzeuggeschäft auch außerhalb Chinas ausbauen. Nach Angaben des Unternehmens sind weltweit bereits mehr als zwei Millionen Nutzfahrzeuge mit CATL-Batterien unterwegs. In China beanspruchte der Hersteller im ersten Halbjahr 2026 zudem einen Anteil von 44 Prozent am Markt für Antriebsbatterien elektrischer Nutzfahrzeuge. Die Vorstellung in Hannover ist deshalb mehr als eine weitere Batteriepräsentation. CATL versucht, mit einem standardisierten Baukastensystem mehrere zentrale Probleme des elektrischen Nutzfahrzeugverkehrs gleichzeitig zu adressieren: hohe Batteriekosten, lange Entwicklungszeiten, begrenzte Nutzlast, Reichweitenanforderungen und lange Ladepausen.
Ob die angekündigten Werte im realen Fernverkehr erreicht werden, wird allerdings erst der Einsatz in Serienfahrzeugen zeigen. Besonders die 1.000 Kilometer Reichweite ist ohne Angabe eines Testverfahrens nur eingeschränkt mit anderen Fahrzeugen vergleichbar. Fest steht jedoch: Mit TECTRANS II setzt CATL die Messlatte für elektrische Schwerlastfahrzeuge bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit erneut hoch.
Billd: CATL
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