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Ford Mustang Mach-E: Defekt im Hinterachsantrieb führt zu Rückruf

Bei mehreren zehntausend Mustang Mach-E kann ein Bauteil im Hinterachsdifferenzial versagen. Ford warnt vor möglichem Antriebsverlust und unbeabsichtigter Fahrzeugbewegung. Eine dauerhafte Lösung soll erst gegen Jahresende verfügbar sein.

Ford muss erneut Fahrzeuge des Mustang Mach-E in die Werkstätten bitten. Betroffen sind bestimmte Exemplare der Modelljahre 2021 bis 2023. Ursache ist ein mögliches Problem mit der Ritzelwelle im Hinterachsdifferenzial. Bricht das Bauteil, kann der elektrische SUV unter Umständen seine Antriebskraft verlieren. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass sich das Fahrzeug trotz eingelegter Parkstellung bewegt, wenn die Feststellbremse nicht aktiviert ist.

Mehr als 40.000 Fahrzeuge betroffen

Nach Angaben von Ford umfasst die Rückrufaktion in den USA 42.784 Mustang Mach-E. Für Europa wird ebenfalls von mehreren zehntausend Fahrzeugen ausgegangen. Der deutsche Markt ist laut Ford mit rund 6.600 Fahrzeugen betroffen. Die Fahrzeuge stammen aus einem Produktionszeitraum von 2020 bis 2023. Der interne Rückrufcode lautet 26S50. In den USA wird die Maßnahme unter der Rückrufnummer 26V417 geführt. Im Mittelpunkt steht jeweils die Ritzelwelle des hinteren Differenzials.

Materialproblem im Antriebsstrang

Die Ursache liegt offenbar nicht in der elektrischen Antriebseinheit selbst, sondern in der mechanischen Kraftübertragung. Untersuchungen zurückgesandter Bauteile ergaben bei mehreren Ritzelwellen Ermüdungsbrüche infolge von Biegebelastungen. Ford stellte im Rahmen seiner Untersuchung zudem Unterschiede bei der Kernhärte der betroffenen Bauteile fest. Die endgültige technische Ursache war zuletzt allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Ford hatte die Untersuchung im Frühjahr 2026 intensiviert, nachdem ein ausgefallenes Hinterachsdifferenzial eines Mustang Mach-E aus Europa analysiert worden war. In der Folge wurden weitere zurückgesandte Bauteile untersucht. Insgesamt lagen dem Hersteller bis Mitte Juni mehrere Dutzend Garantie- und Qualitätsmeldungen zu dem Problem vor. Unfälle, Verletzungen oder Brände im Zusammenhang mit dem Defekt waren Ford nach eigenen Angaben nicht bekannt.

Was passiert bei einem Bruch?

Die Ritzelwelle ist Bestandteil des Differenzials und damit für die Kraftübertragung innerhalb der Hinterachse relevant. Versagt sie, kann der Kraftschluss unterbrochen werden. Für den Fahrer bedeutet das im ungünstigsten Fall einen plötzlichen Verlust des Vortriebs.

Ein zweites Szenario ist sicherheitsrelevanter: Wird das Fahrzeug in die Parkstellung gebracht, ohne dass die Feststellbremse angezogen wurde, kann ein Defekt am Differenzial unter bestimmten Umständen eine unbeabsichtigte Fahrzeugbewegung ermöglichen. Genau diese Kombination erhöht laut Rückrufbeschreibung das Unfallrisiko.

Als mögliche Begleiterscheinung kann zudem eine Warnmeldung beziehungsweise eine Fehlereintragung im Fahrzeug auftreten. Für die betreffende Problematik werden unter anderem verschiedene Diagnosecodes genannt.

Reparatur noch nicht sofort möglich

Für betroffene Besitzer ist die Situation besonders unbefriedigend: Die Rückrufaktion ist zwar gestartet, die endgültige Abhilfemaßnahme steht aber noch nicht flächendeckend zur Verfügung. Ford plant, die betroffenen Fahrzeuge entweder zu reparieren oder die komplette Hinterachsdifferenzial-Einheit auszutauschen. Das Ersatzteil soll eine gegenüber dem bisherigen Bauteil robustere Ritzelwelle besitzen. Die Arbeiten werden für die Kunden kostenlos durchgeführt.

Die endgültige Lösung wird nach aktuellem Stand für das vierte Quartal 2026 erwartet. In den USA sollen die entsprechenden Benachrichtigungen an die Halter in einer weiteren Welle gegen Ende Dezember verschickt werden.

Für Werkstätten dürfte die Reparatur aufwendig werden

Anders als bei einem reinen Softwareproblem dürfte die Abhilfe für die Werkstätten einen erheblichen mechanischen Eingriff bedeuten. Da die Ritzelwelle Bestandteil des Hinterachsdifferenzials ist, muss für einen Austausch beziehungsweise die Reparatur der entsprechende Antriebsstrang zerlegt werden.

Die genaue Vorgehensweise hängt von der finalen Reparaturanweisung von Ford ab. Fest steht bislang, dass nicht lediglich ein Software-Update vorgesehen ist, sondern eine Reparatur beziehungsweise ein Austausch der betroffenen Differenzialkomponenten.

Was Mach-E-Fahrer jetzt tun sollten

Besitzer eines Mustang Mach-E aus dem relevanten Bauzeitraum sollten prüfen, ob ihr Fahrzeug von der Aktion betroffen ist. Sobald die Fahrgestellnummer in den jeweiligen Rückrufsystemen hinterlegt und die Reparatur freigegeben ist, kann ein Termin beim Ford-Partner vereinbart werden.

Bis die technische Abhilfe verfügbar ist, empfiehlt es sich insbesondere, die Feststellbremse konsequent zu verwenden, wenn das Fahrzeug abgestellt wird. Bei ungewöhnlichen Geräuschen aus dem Antriebsstrang, Warnmeldungen oder einem plötzlich ausbleibenden Vortrieb sollte das Fahrzeug nicht weiter betrieben und die Ursache von einem Fachbetrieb geprüft werden.

Der Rückruf zeigt zugleich, dass auch bei Elektrofahrzeugen klassische mechanische Komponenten des Antriebsstrangs sicherheitsrelevant bleiben. Der elektrische Antrieb reduziert zwar die Zahl bestimmter Verschleißteile, beseitigt aber nicht die mechanischen Belastungen innerhalb von Getriebe und Differenzial.

Für Ford ist die Aktion damit eine weitere aufwendige Rückrufmaßnahme beim Mustang Mach-E. Entscheidend wird nun sein, wie schnell ausreichend Ersatzteile zur Verfügung stehen und ob sich die angekündigte Abhilfelösung tatsächlich bis Ende 2026 flächendeckend umsetzen lässt.

Bild: Ford

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