BMW M Concept Neue Klasse: So sieht die elektrische M-Zukunft aus
BMW M bereitet den nächsten großen Technologiesprung vor. Mit dem M Concept Neue Klasse zeigt die Performance-Sparte, wie ihre ersten vollelektrischen Hochleistungsmodelle künftig aussehen und sich technisch positionieren könnten. Im Mittelpunkt stehen nicht nur ein aggressiver Auftritt, sondern vor allem ein komplett neu gedachtes Antriebskonzept mit vier Elektromotoren. Die Studie wurde erstmals im Juni 2026 bei den 24 Stunden von Le Mans präsentiert und anschließend in Monterey gezeigt. Dort rückte BMW das Konzept gemeinsam mit historischen M3-Modellen ins Rampenlicht. Der Auftritt hatte Symbolcharakter: Vier Jahrzehnte nach dem ersten M3 soll nun eine neue Generation die Verbindung von Motorsport und Alltag in das Elektrozeitalter übertragen.
Breite Karosserie, neue M-Interpretation
Optisch grenzt sich das M Concept deutlich von den bisherigen Modellen der Neuen Klasse ab. Die Front greift die für BMW typische Sharknose auf, interpretiert sie aber deutlich sportlicher. Besonders auffällig sind die sogenannten M Yellow Lights, die markant gezeichnete Frontpartie und der große Frontsplitter.
Auch die Motorhaube ist nicht nur Gestaltungselement. Ein V-förmiger Luftauslass soll die Kühlung des elektrischen Antriebs unterstützen. Damit folgt BMW M seinem klassischen Prinzip, wonach die Form aus der technischen Funktion entstehen soll. Die Seitenansicht wird von kurzen Überhängen, ausgestellten Radhäusern und einer betont muskulösen Schulter geprägt. Am Heck setzt BMW auf einen ausgeprägten Ducktail-Spoiler. Zusammen mit dem Diffusor und weiteren aerodynamischen Elementen soll die Gestaltung nicht allein spektakulär aussehen, sondern auch die Fahrdynamik unterstützen.
BMW spricht beim Konzept ausdrücklich von einer neuen Designsprache für kommende M-Hochleistungsmodelle. Das ausgestellte Fahrzeug ist deshalb nicht als serienfertiger M3 zu verstehen. Einzelne Gestaltungselemente dürften sich jedoch in den kommenden Serienmodellen wiederfinden.
Vier Elektromotoren statt klassischem Allradantrieb
Noch interessanter als das Design ist die Technik unter dem Blech. BMW M entwickelt für die elektrische Generation ein Antriebssystem mit vier Elektromotoren. Dabei erhält jedes Rad prinzipiell eine individuell steuerbare Kraftquelle. Das eröffnet Möglichkeiten, die mit einem konventionellen Allradantrieb nur wesentlich aufwendiger umzusetzen wären. Die BMW M Dynamic Performance Control kann die Antriebsmomente radselektiv verteilen. In einer Kurve lässt sich beispielsweise das äußere Rad stärker antreiben, während andere Räder entsprechend angepasst werden.
Das Ziel ist ein Fahrzeug, das schneller und präziser auf Lenkbefehle reagiert und seine Kraft auch im Grenzbereich möglichst effektiv auf die Straße bringt. BMW verbindet diese Technik mit dem zentralen Hochleistungsrechner Heart of Joy, der Antrieb und Bremsfunktionen zusammenführt. Damit verfolgt BMW einen anderen Ansatz als bei vielen bisherigen Elektroautos: Nicht möglichst viel Leistung soll allein für beeindruckende Beschleunigungswerte sorgen. Stattdessen soll die Software die vier Motoren permanent koordinieren und dadurch ein neues Niveau an Traktion, Agilität und Kontrolle ermöglichen.
Mehr als 100 kWh und 800 Volt
Auch beim Energiespeicher setzt BMW auf die Technik der Neuen Klasse. Vorgesehen ist eine 800-Volt-Architektur in Verbindung mit einer Batterie mit mehr als 100 kWh Energieinhalt. Damit sollen sowohl hohe Ladeleistungen als auch eine ausreichende Reichweite für längere Fahrten ermöglicht werden. Die Batterie wird allerdings speziell auf die Anforderungen eines M-Modells zugeschnitten. Bei einem Hochleistungs-Elektroauto müssen nicht nur Reichweite und Ladegeschwindigkeit stimmen. Auch unter hoher Dauerbelastung auf der Rennstrecke muss der Akku seine Leistung möglichst konstant bereitstellen können. BMW arbeitet deshalb an einer eigenen Lösung für das elektrische M-Antriebssystem. Die Batterietechnik der Neuen Klasse bildet dabei die Grundlage, wird für den Einsatz im Hochleistungsfahrzeug aber entsprechend angepasst.
Ein Cockpit für Fahrer statt Bildschirmshow
Im Innenraum verfolgt BMW M einen deutlich fahrerorientierten Ansatz. Das Cockpit wirkt weniger wie eine luxuriöse Lounge und stärker wie der Arbeitsplatz eines Sportfahrers. Die Studie besitzt neu entwickelte Schalensitze, rote Motorsport-Gurte und zahlreiche M-spezifische Bedienelemente. Hinter dem Lenkrad sitzen Schaltwippen, obwohl kein klassisches Getriebe vorhanden ist. Sie dürften unter anderem dazu dienen, die bei Elektroautos ungewöhnliche Idee einer virtuellen Schaltung umzusetzen. Auch der Gangwahlschalter wurde gegenüber den normalen Neue-Klasse-Modellen deutlich verändert. Hinzu kommen rote Bedienelemente für spezielle M-Fahrmodi. Gleichzeitig übernimmt die Studie wichtige Elemente der neuen BMW-Innenraumarchitektur. Dazu gehören das Panoramic Vision Display und der zentrale Touchscreen. BMW kombiniert diese digitale Ebene mit physischen Bedienelementen für besonders wichtige Funktionen.
Kommt daraus tatsächlich ein elektrischer M3?
BMW bezeichnet das Concept offiziell als Design- und Technologieausblick. Die Studie selbst wird nicht in dieser Form in Serie gebaut. Gleichzeitig ist die Richtung klar: BMW M will seine Hochleistungsmodelle ab 2027 in die vollelektrische Ära führen. Das kommende Serienfahrzeug soll dabei nicht etwa „iM3“ heißen. BMW plant nach bisherigem Kenntnisstand weiterhin die Bezeichnung M3. Damit macht die Marke deutlich, dass der Wechsel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb nicht als Wechsel der Modellidentität verstanden werden soll. Ob die Serienversion tatsächlich die vermutete Leistungsregion von 1.000 PS oder mehr erreicht, ist dagegen noch offen. BMW hat bislang keine konkrete Systemleistung genannt. Auch bei Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit und Reichweite hält sich der Hersteller noch zurück.
Die entscheidende Frage ist nicht die Leistung
Das M Concept Neue Klasse zeigt vor allem, wie BMW die traditionelle M-Idee neu interpretieren will. Ein elektrischer M3 muss nicht zwangsläufig versuchen, einen Verbrennungsmotor mit Batterien nachzuahmen.
Vier Motoren, radselektive Kraftverteilung, schnelle Software-Regelung und eine leistungsfähige 800-Volt-Elektrik eröffnen BMW vielmehr die Möglichkeit, das Fahrverhalten grundlegend anders abzustimmen. Genau darin könnte die eigentliche Bedeutung der Studie liegen. Das Konzept ist deshalb weniger ein konkreter Ausblick auf jedes Detail des nächsten M3 als vielmehr ein technologisches Versprechen: BMW M will den Elektroantrieb nicht als Kompromiss verstehen, sondern als Werkzeug für eine neue Generation von Fahrdynamik. Die ersten Serienmodelle auf Basis dieser M-Technologie sollen ab 2027 auf den Markt kommen. Wie viel vom spektakulären Concept tatsächlich in die Serie gelangt, dürfte sich in den kommenden Monaten und Jahren zeigen.
Bilder: BMW Group München
Share this content:










Kommentar abschicken