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Rekord-Rückruf für Tesla, Xiaomi, und Xpeng in China

Tesla, Xiaomi, Xpeng und zahlreiche weitere Hersteller stehen in China vor einer der größten Rückrufaktionen der Automobilgeschichte. Betroffen sind mehr als sieben Millionen Fahrzeuge. Im Zentrum der Maßnahmen steht ein sicherheitskritisches Problem, das im Ernstfall über schnelle Flucht oder eingeschränkte Rettungsmöglichkeiten entscheiden kann.

Chinas Autoindustrie erlebt eine Rückrufaktion historischen Ausmaßes. Die nationale Marktaufsicht hat am 21. August eine Serie von Rückrufen veröffentlicht, die sich über elf Hersteller und insgesamt mehr als sieben Millionen Fahrzeuge erstrecken. Besonders stark betroffen sind Elektroautos und moderne Modelle mit versenkbaren oder elektronisch betätigten Türsystemen.

Auslöser ist nicht in erster Linie die äußere Türtechnik, sondern die mechanische Notentriegelung im Innenraum. Diese soll Insassen ermöglichen, eine Tür auch dann noch zu öffnen, wenn nach einem schweren Unfall die elektrische Stromversorgung des Fahrzeugs ausgefallen ist. Genau diese Notmechanismen sind bei zahlreichen betroffenen Modellen jedoch offenbar zu unauffällig gestaltet und können sich farblich kaum vom Innenraum abheben. Im Notfall könnten sie deshalb schwer zu finden oder zu bedienen sein.

Tesla trägt den größten Anteil

Den mit Abstand größten Einzelanteil an der Aktion hat Tesla. Nach Angaben der chinesischen Marktaufsicht sind rund 2,98 Millionen in China produzierte und importierte Fahrzeuge der Baureihen Model 3, Model Y, Model S und Model X betroffen. Die Rückrufe sollen ab dem 25. September 2026 umgesetzt werden.

Bei den Maßnahmen setzt Tesla vor allem auf Software. Per Over-the-Air-Update sollen unter anderem Funktionen verbessert werden, die nach einem Unfall das Verlassen des Fahrzeugs erleichtern können. Zusätzlich sollen Hinweise auf die mechanischen Notentriegelungen deutlicher werden. Damit reagiert der Hersteller auf das Risiko, dass Insassen oder Rettungskräfte bei einem Ausfall des Niedervolt-Systems den manuellen Öffnungsmechanismus nicht schnell genug erkennen.

Xiaomi, Xpeng und weitere chinesische Hersteller ebenfalls betroffen

Der Rückruf beschränkt sich keineswegs auf Tesla. Auch mehrere große chinesische Elektroautohersteller müssen ihre Fahrzeuge nachbessern. Bei Xiaomi betrifft die Maßnahme insgesamt 390.435 Exemplare des SU7. Die Fahrzeuge erhalten unter anderem besser sichtbare Kennzeichnungen an den mechanischen Notentriegelungen sowie Software-Anpassungen für die Entriegelungs- und Fensterfunktionen.

Zu den weiteren betroffenen Herstellern zählen Leapmotor, Xpeng, Zeekr, Chery, Dongfeng, Arcfox und FAW. Die Maßnahmen reichen von zusätzlichen Warnhinweisen über geänderte Abdeckungen bis zu OTA-Updates. Xpeng muss beispielsweise bei mehreren Baureihen nachbessern, während andere Hersteller vor allem die Sichtbarkeit der mechanischen Notentriegelung verbessern oder die Fenstersteuerung nach einem Unfall anpassen.

Mehr als vier Millionen Fahrzeuge wegen desselben Sicherheitsrisikos

Der Kern der aktuellen Aktion betrifft nach übereinstimmenden Berichten mehr als vier Millionen Fahrzeuge mit einem ähnlichen Problem bei der Notentriegelung. Die Gesamtzahl von über sieben Millionen ergibt sich aus der außergewöhnlich umfangreichen Serie gleichzeitig veröffentlichter Rückrufmaßnahmen. Damit übertrifft die aktuelle Aktion bereits für sich genommen die gesamte Zahl der in China im Jahr 2025 zurückgerufenen Fahrzeuge: Damals wurden landesweit 6,846 Millionen Autos im Rahmen von 190 Rückrufaktionen erfasst. Der Vergleich zeigt, welche Dimension die jüngste Maßnahme erreicht hat.

Design trifft auf Sicherheitsrealität

Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf einen zentralen Konflikt moderner Elektroautos: Viele Hersteller setzen auf glatte Karosserieflächen, versenkbare Türgriffe und eine weitgehend elektronisch gesteuerte Bedienung. Diese Lösungen sollen Aerodynamik und Design verbessern, können im Extremfall aber neue Anforderungen an die Sicherheit schaffen.

Besonders problematisch wird es, wenn elektrische Systeme nach einem Unfall nicht mehr funktionieren und die eigentlich vorhandene mechanische Notlösung für Fahrzeuginsassen oder Rettungskräfte nicht sofort erkennbar ist. Chinas Behörden reagieren auf dieses Risiko zunehmend entschlossen. Ab 2027 sollen vollständig verdeckte beziehungsweise schwer zugängliche Türgriffe nach den neuen Vorgaben nicht mehr zulässig sein. Auch andere große Automärkte beschäftigen sich inzwischen intensiver mit der Frage, wie Fahrzeuge im Falle eines Stromausfalls schnell und intuitiv verlassen werden können.

Rückruf ohne Werkstattbesuch?

Für die Hersteller dürfte die hohe Zahl der betroffenen Fahrzeuge nicht zwangsläufig bedeuten, dass Millionen Autos tatsächlich in Werkstätten bestellt werden müssen. Ein erheblicher Teil der Nachbesserungen kann per Funk erfolgen. OTA-Updates ermöglichen es, Softwarefunktionen zentral zu verändern, etwa die Entriegelungslogik oder das automatische Absenken der Fenster nach einem Unfall.

Trotzdem bleibt die Aktion mehr als ein gewöhnliches Software-Update. Wo physische Kennzeichnungen, Warnaufkleber oder geänderte Bauteile erforderlich sind, müssen die Fahrzeuge entsprechend nachgerüstet werden. Der Rekord-Rückruf zeigt damit auch, dass sich die Grenzen zwischen klassischem Werkstatt-Rückruf und digitaler Fernkorrektur zunehmend verschieben.

Ein Weckruf für die gesamte Branche

Die Dimension des chinesischen Rückrufs ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil er Hersteller aus unterschiedlichen Segmenten gleichzeitig trifft. Der gemeinsame Nenner ist nicht ein einzelner Zulieferfehler, sondern ein grundlegendes Sicherheitsproblem moderner Fahrzeugarchitekturen: Technik und Design dürfen im Ernstfall nicht komplizierter sein als die schnelle und intuitive Rettung aus dem Auto.

Für Tesla, Xiaomi, Xpeng und die weiteren betroffenen Hersteller ist die Nachbesserung deshalb nicht nur eine formale Rückrufaktion. Sie könnte zum Wendepunkt für die Gestaltung von Türsystemen und Notausstiegen in der Elektroautoindustrie werden. China setzt mit der Rekordmaßnahme ein deutliches Signal: Innovative Bedienkonzepte müssen sich künftig stärker daran messen lassen, wie zuverlässig sie gerade dann funktionieren, wenn die Elektronik ausfällt.

Bild: Tesla

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