Hyundai setzt auf Antriebsvielfalt: Erster Range-Extender kommt 2027
Hyundai hat auf einem Investorentag seine überarbeitete Wachstumsstrategie bis zum Jahr 2030 vorgestellt. Der südkoreanische Autobauer hält an seinem Ziel fest, jährlich rund 5,55 Millionen Fahrzeuge zu verkaufen – 60 Prozent davon sollen elektrifizierte Antriebe haben, gegenüber 23 Prozent im vergangenen Jahr. Die Zahlen gelten ausschließlich für die Marken Hyundai und Genesis; Kia verfolgt als Schwestermarke der Hyundai Motor Group eine eigene, unabhängige Planung.
Über 100 neue oder überarbeitete Modelle bis 2030
Bis zum Ende des Jahrzehnts will der Konzern weltweit mehr als 100 Fahrzeuge neu einführen oder grundlegend überarbeiten. Der Schwerpunkt liegt klar auf Nordamerika (58 Modelle) und Korea (49), gefolgt von Europa (41), Indien (26) und China (22). Bereits in den kommenden acht Monaten sollen sieben neue Fahrzeuge starten – darunter der Ioniq 3 für Europa, ein elektrisches Kompakt-SUV für den indischen Markt sowie das erste Range-Extender-Modell des Konzerns.
Santa Fe EREV eröffnet neue Antriebskategorie
Das besondere Highlight der Roadmap: Ab der ersten Jahreshälfte 2027 bringt Hyundai mit dem Santa Fe EREV sein erstes Fahrzeug mit Reichweitenverlängerung (Extended-Range Electric Vehicle) auf den nordamerikanischen Markt. Das Modell soll eine Reichweite von über 965 Kilometern erreichen und wird im US-Werk Hyundai Motor Manufacturing Alabama produziert. Weitere EREV-Varianten sollen folgen, unter anderem eine Version für China. Auch die Premiummarke Genesis plant Anfang 2027 ein eigenes EREV-SUV mit einer Reichweite von rund 1.000 Kilometern.
Zusätzlich kündigt Hyundai den Einstieg in bislang unbesetzte Fahrzeugsegmente an: Geplant sind Modelle mit Leiterrahmen, darunter ein mittelgroßer Pickup, sowie leichte Nutzfahrzeuge. Damit folgt Hyundai dem Beispiel von Kia, das bereits in den Markt für elektrische Transporter eingestiegen ist.
Regional unterschiedliche Schwerpunkte
Die Strategie variiert deutlich je nach Weltregion:
- Europa: Hier setzt Hyundai voll auf reine Elektrofahrzeuge. Bis 2030 sollen fünf neue vollelektrische SUVs und leichte Nutzfahrzeuge hinzukommen, mit dem Ziel, 85 Prozent des Marktes elektrifiziert abzudecken. Der BEV-Absatz in Europa soll von 116.000 Einheiten (2025) auf über 420.000 Einheiten (2030) steigen.
- Nordamerika: Der Fokus liegt auf Hybridantrieben – mehr als zehn neue Hybridmodelle sollen bis 2030 auf den Markt kommen, perspektivisch soll Hybrid die Hälfte des dortigen Absatzes ausmachen.
- China: Nach schwachem Marktstart will Hyundai stärker lokal entwickeln und produzieren, unter anderem über Partnerschaften. Nach dem Ioniq V sollen 2027 ein weiteres Elektromodell und ein EREV folgen.
- Indien: Der Ausbau der SUV-Palette steht im Vordergrund, beginnend mit einem neuen Elektro-SUV im vierten Quartal.
Neue Batterietechnik als Basis
Für den Santa Fe EREV hat Hyundai eigens leistungsstarke Batteriezellen entwickelt, die im Vergleich zu bisherigen nickelreichen Zellen mehr als doppelte Leistung bei 40 Prozent schnellerer Ladezeit bieten sollen. Trotz weniger als der halben Kapazität eines vergleichbaren reinen Elektroautos soll das Fahrzeug ein ähnliches Fahrverhalten wie ein BEV liefern.
Für kommende Elektromodelle setzt Hyundai künftig auf NCM-Zellen mit mittlerem statt hohem Nickelanteil, was die Batteriekosten um rund 30 Prozent senken soll. Ergänzend sollen ein verbessertes, cloudbasiertes Batteriemanagementsystem die Lebensdauer der Akkus bis 2028 um durchschnittlich 20 Prozent erhöhen sowie ein neues Sicherheitssystem namens „Thermal Runaway Protection“ (TRP) – das erstmals im Genesis GV90 zum Einsatz kommt – Zellbrände verhindern helfen.
Genesis wächst, Produktionskapazität steigt
Genesis strebt bis 2030 eine Präsenz in über 40 Märkten sowie einen Jahresabsatz von 350.000 Fahrzeugen an, unterstützt von mehr als 270 Verkaufsstandorten weltweit – ein Plus von 50 Prozent. Nach dem kürzlich vorgestellten GV90 kommt im vierten Quartal mit dem GV80 Hybrid der erste Vollhybrid der Marke hinzu.
Konzernweit will Hyundai seine Produktionskapazität bis 2030 um 1,27 Millionen Fahrzeuge ausbauen: 500.000 zusätzliche Einheiten in Nordamerika, 320.000 in Indien, 250.000 an CKD-Standorten und 200.000 in Korea – Letzteres unter Einbeziehung des neuen E-Auto-Werks in Ulsan. Hyundai-Chef José Muñoz begründete die Investitionsoffensive mit der wirtschaftlichen Stärke des Konzerns: Als drittgrößter und zweitprofitabelster Automobilkonzern der Welt könne man investieren, während andere sich zurückzögen. Auch in Robotik, Robotaxis und Künstliche Intelligenz will der Konzern verstärkt investieren.
Bild: Hersteller
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